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Design
Otl Aicher, Mitbegründer der vh Ulm und Designer
Ich bin Otl Aicher – Designer, Lehrer, Suchender. Ich habe einmal gesagt: »Es gibt nicht das Maximum, sondern das Optimum.« Für mich war Design nie Dekoration, sondern eine Sprache. Eine Möglichkeit, Dinge verständlich zu machen. Diese Haltung teilte ich mit meiner Frau Inge. Sie gründete 1946 die Ulmer Volkshochschule und führte sie fast drei Jahrzehnte. Inge war klug, mutig und herzlich zugleich. Sie konnte fordern, aber auch tragen. Sie hatte Visionen – und die Fähigkeit, Menschen mitzureißen. Gemeinsam haben wir Orte geschaffen, an denen man denken, reden, streiten durfte – und wo Neues entstehen konnte. Diese Orte sollte niemand übersehen können. Bildung war für uns keine Kür, sondern Haltung – eine Frage von Verantwortung. Ich entwarf das grafische Gesicht der vh Ulm. Meine Aufgabe war klar: Inhalte sichtbar machen – direkt, ehrlich, ohne Dekor. Gestaltung musste sprechen, verständlich und menschlich zugleich. Wir wollten keine starre Institution, sondern einen lebendigen Ort für demokratisches Denken und modernes Gestalten. 1953 gründeten Inge und ich mit Max Bill die Hochschule für Gestaltung auf dem Ulmer Kuhberg. So entstand die »Ulmer Schule« – rational, kritisch und doch zutiefst idealistisch. Wir arbeiteten für Lufthansa, Braun, Sparkasse, Olivetti, Kodak, Siemens. Das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972 in München machte mich bekannt, doch wichtiger war mir immer die Idee dahinter – Klarheit, Orientierung, Sinn.
»Gestaltung ist Haltung« – Design ist Teil unserer Demokratie. Wer gestaltet, denkt, handelt, widerspricht – und trägt Verantwortung dafür, wie unsere Welt aussieht. Darum gab es für mich nie Kompromisse, wenn es um Klarheit ging.

Otl Aicher, ca. 1950.
Foto: Hannes und Ike Rosenberg,
© Museum Ulm / HfG-Archiv und Hannes und Ike Rosenberg

Otl Aicher mit Manuskript, 1949.
Foto: Ike und Hannes Rosenberg
© Museum Ulm / HfG-Archiv und Hannes und Ike Rosenberg

Otl Aicher, Stele und Plakate für die Ulmer Volkshochschule auf dem Münsterplatz in Ulm, 1950er Jahre.
Foto: Otl Aicher
© Museum Ulm / HfG-Archiv

Die »Eule der Weisheit« wurde die erste Bildmarke der Ulmer Volkshochschule,
entworfen 1946 von Otl Aicher.
© Archiv vh Ulm
Otl Aicher – eigentlich Otto Aicher, geboren im Mai 1922 in Ulm – gehört zu den prägenden Figuren des deutschen Designs nach 1949. Schon früh eckte er an: Als Mitglied der Bündischen Jugend kam er 1937 kurzzeitig ins Gefängnis. 1941 wurde ihm das Abitur verweigert, weil er den Eintritt in die Hitlerjugend ablehnte. Widerständigkeit zog sich durch sein Leben – ebenso wie der Blick fürs Wesentliche. Die Düsternis des Krieges ließ Aicher seine Sensibilität für die »Schönheit der Dinge« entwickeln: die direkte Begegnung mit Form, Material und Funktion. Nach 1945 begann er ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, eröffnete zwei Jahre später in Ulm sein erstes Grafikbüro und fand bald seine eigentliche Lebensaufgabe im Gestalten. 1953 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Inge Aicher-Scholl – der Schwester von Hans und Sophie Scholl – und dem ehemaligen Bauhausschüler Max Bill die Hochschule für Gestaltung auf dem Ulmer Kuhberg. An der vh Ulm und wenig später an der HfG traf sich seiner- zeit das »Who is who« eines aufgeklärten, weltoffenen Deutschlands. Die HfG wurde zum Labor für modernes Denken, Gestalten und formale Klarheit. Hier lehrten maßgebliche Gestalter wie Dieter Rams, Max Bill, Tomás Maldonado oder Hans Gugelot. Aicher selbst blieb dabei immer ein Weiterdenker: ein Rebell mit Haltung, ein Soziologe des Details, aus dem das große Ganze entsteht. Ihm ging es nicht um die schöne Form an sich, sondern um Authentizität: Gestaltung als Ausdruck von Haltung.
»Wer die Sorge um das Alltägliche, das, was geschieht, aufgibt, gibt das Leben auf, gibt die Welt auf.«
Otl Aicher, Mitbegründer der vh Ulm und Designer

