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Aktuelles

Stellungnahme der vh Ulm

»Ein Fenster zur Welt sein« – diesen Auftrag gab uns unsere Gründerin Inge Scholl mit auf den Weg. Für uns bedeutet dies auch, verantwortlich damit umzugehen, welches Bild der Welt wir zeigen und welche Botschaften vermittelt werden.

Diese Kriterien gelten auch für das Angebot des Kunstvereins Ulm vom März 2022, dass der Künstler GOIN das Graffito eines Kids of Color an die Wand des vh-Gebäudes sprayt. Wir haben diese Idee zunächst begrüßt, auch weil uns das Thema Kunst im öffentlichen Raum am Herzen liegt. 
Als vergangene Woche die konkrete Information kam, dass kurzfristig gesprayt werden soll, sind dem Team der vh und der Leitung Bedenken gekommen, welche rassistischen Stereotype – sicherlich unbewusst – bei dieser Darstellung transportiert werden. Wir haben daher den Kunstverein gebeten, das Motiv nicht anzubringen und der Künstler GOIN hat letztlich nicht gesprayt.

Wir möchten erklären, wie es zu diesen Bedenken kommt:
Das Graffito mit einer kindlichen Person of Color wurde nach unserer Information ursprünglich vom Künstler GOIN in Kinshasa/Demokratische Republik Kongo an eine Tür gesprayt. In Deutschland und am EinsteinHaus ist das Bild kontextfrei. Die Darstellung reproduziert auf mehreren Ebenen Vorurteile und stellt eine verallgemeinernde und reduzierte Sichtweise auf den Kontinent Afrika in seiner Vielfalt dar. Als eine Bildungseinrichtung ist uns ein differenzierter Blick wichtig – auch weil unsere Gesellschaft kolonialgeschichtlich geprägt ist und eine eurozentristische Perspektive hat.

Ein weiterer Beweggrund sind unsere vielen Teilnehmer*innen und Dozent*innen, die People of Color sind. Mit welcher Darstellung können sie sich identifizieren oder welche sind diskriminierend und verletzend?  Wir wollen nicht die Kunst und den Künstler mit seinem Werk in Frage stellen, sondern die Wirkung der Darstellung und fordern einen bewussten Umgang damit.

Ulm hat sich seit Jahren auf den Weg gemacht, das Thema der postkolonialen Kontinuitäten mit sensiblem Blick zu behandeln. Die Diskussion zur Münsterkrippe und zu Straßennamen in der Stadt seien hier nur beispielhaft genannt. Wir als vh werden auch zukünftig den Diskurs zu diesen gesellschaftlich wichtigen Themen voranbringen und Raum für sachliche Debatten bieten. Wir laden in diesem konkreten Fall ausdrücklich alle Beteiligten und vor allem die Betroffenen dazu ein, mit uns in den Austausch zu gehen.

Dem Kunstverein sei an dieser Stelle für seine Initiative gedankt und wir entschuldigen uns nochmals für die entstandene Irritation.

Dr. Christoph Hantel

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