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Haus & Begegnungsort

EinsteinHaus, Begegnungsort

Ich habe viele Eltern. Das ist nicht ungewöhnlich bei einem Gebäude mit so vielen Erwar- tungen. Inge Aicher-Scholl würde ich meine Mutter nennen. Sie schrieb Briefe, führte Ge- spräche, sammelte Vertrauen. All das, damit ich überhaupt entstehen konnte. Von Anfang an sollte ich Ort der Ulmer Volkshochschule sein – und mich auch so anfühlen. Im Juli 1959 fiel die Entscheidung für den Korn- hausplatz. Mit Handelsschule und »Kornhaus- Saal« entstand hier ein Campus. Ich stand in der Mitte – in weißem Kleid. Weiß steht für den Hunger nach Frieden, Nähe, Austausch und Miteinander in der Nachkriegszeit. Als Haus wollte ich dafür Raum geben. Mein Vater, Architekt Hans Frieder Eychmüller, wusste: Gebäude müssen einladen. Sein Konzept war ein »Bildungszentrum« mit Studienräumen, Werkstätten, Sälen, Kino, Café – ein Ort zum Bleiben. Kein Schulhaus, keine stille Bibliothek. Sondern »Clubhaus des Wissens«: offen für Gespräche, Diskussionen, alle. Eine »Lebenszelle«, wo geistige, politische, kulturelle, schöpferische Kräfte sich treffen. Mein großes Foyer ist ein Versprechen. Es empfängt Menschen ohne Plan, aber mit Hoffnung. Und sie bleiben. Am 16. Oktober 1968 wurde ich eingeweiht – nach zwölf Jahren Planen und Bauen. Mein Name: »EinsteinHaus«. Mein Äußeres, geprägt vom Ulmer Funktionalismus und der HfG, war nicht sofort beliebt. Doch unverwechselbar. Als Dritter Ort, lebendiges Wahrzeichen, bleibe ich jung. Ich freue mich auf alle, die mich täglich mit Leben füllen. 

Ausstellungen im EinsteinHaus

Unser Haus beherbergt viele Ausstellungen – eine berührt uns besonders: die «Denkstätte Weiße Rose» im Erdgeschoss. Viele wissen nicht, dass Hans und Sophie Scholl aus Ulm stammen und Teil eines mutigen Widerstandsnetzwerks waren. Die Ausstellung erzählt von jungen Menschen, die 1933 bis 1945 den Mut hatten, »Nein« zu sagen. Ergänzt wird sie durch »Wir wollten das andere«, das 26 Ulmer Jugendliche porträtiert. Sie verweigerten den Hitler-Eid, verteilten Flugblätter, halfen Verfolgten oder suchten ihren eigenen Weg – oft im Verborgenen. Gerade für junge Besucher wird hier klar: Zivilcourage ist zeitlos. Man muss nicht mitmachen, nur den Mut haben, Mensch zu bleiben. Die Porträts zeigen die damaligen Jugendlichen in ihrer gefühls- mäßigen Zerrissenheit auf der Suche nach dem richtigen Weg. Im Obergeschoss widmet sich eine Dauerausstellung Albert Einstein mit privaten Fotos. Sie beleuchtet seine Facetten als Forscher, Familienmensch und politisch wachen Zeitgenossen. Neugier, Mut und Unabhängigkeit machen ihn zum idealen Namensgeber unseres Hauses. Im Café begegnen uns die Plakatmotive Otl Aichers aus der Frühzeit der vh Ulm – klar, reduziert, teils verspielt und erstaunlich aktuell. Sie ziehen noch heute alle Blicke auf sich.

»Das Haus ist kein Denkmal, sondern ein Werkzeug.« 

Otl Aicher

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