VH Ulm

DenkStätte Weiße Rose


Sophie Scholl Hans Lebrecht

Inhalt der Ausstellungen: Ulmer Jugendopposition im Nationalsozialismus

Hans und Sophie Scholl, deren Namen weltweit mit der »Weißen Rose« gleichgesetzt werden, gelten heute als Inbegriff für den Jugend-Widerstand gegen das Hitler-Regime.

Kaum jemand weiß, dass die Geschwister aus Ulm kamen. Kaum jemand weiß, dass sie in Ulm Mitstreiter hatten, die auch vom Volksgerichtshof verurteilt wurden. Aus keiner anderen Stadt kamen so viele Mitglieder der »Weißen Rose« wie aus Ulm.

Im Schatten blieben auch andere Ulmer Jugendliche, die in Konflikt mit der NS-Herrschaft gerieten, oft nur, weil sie anders dachten, anders glaubten, anderes für wichtig hielten.

Am 19. April 2000 wurde im EinsteinHaus der Ulmer Volkshochschule die Dauerausstellung »wir wollten das andere« – Ulmer DenkStätte Weiße Rose – Jugendliche in Ulm 1933 bis 1945 eröffnet.

Am 19. September 2001 wurde in Berlin-Kreuzberg in den Räumlichkeiten der vhs Friedrichshain die – inhaltlich mit der Dauerausstellung identische – Wanderausstellung »wir wollten das andere« – Jugendliche im Umfeld der Weißen Rose der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ausstellungen porträtieren Hans und Sophie Scholl, die Ulmer Abiturientengruppe sowie weitere 22 Ulmer Jugendliche, die im Nationalsozialismus nicht in Reih und Glied mitmarschiert sind. Sie zogen ihre bündnischen, christlichen und kommunistischen Jugendgruppen der Hitlerjugend vor. Sie verweigerten den Eid auf Hitler, klebten Plakate, verteilten Flugblätter, desertierten, wurden verfolgt und von NS-Gerichten verurteilt. Andere verhalfen Zwangsarbeitern zur Flucht oder deckten jüdische Bürgerinnen und Bürger bzw. versteckten sie in ihren Jugendgruppen.
19 der porträtierten Jugendlichen leben noch und haben berichtet, was sie erlebt haben. Bei anderen gaben Verwandte oder Freunde Auskunft.

Konzeptionelles Ziel der Ausstellungen ist es, hauptsächlich junges Publikum anzusprechen. Deshalb wurden in der Ausstellung ausschließlich Jugendliche porträtiert, die während der NS-Zeit wie die Geschwister Sophie und Hans Scholl in Ulm gelebt haben. Mit ihrem Leitmotiv »Zivilcourage« sind die Ausstellungen zeit- und epochenunabhängig. Basierend auf dem historischen Hintergrund des Nationalsozialismus regen sie zum Nachdenken an, lassen Schülerinnen und Schüler, die sich damit auseinander setzen, kritisch fragen: Ist Zivilcourage auch heute noch »gefragt«?


Heinz Brenner

Gestaltung

Pancho Ballweg und Uli Häussler gehen bei der Gestaltung der Ausstellung neue Wege und sprechen auf zeitgemäße Art vor allem jugendliche Betrachter an: Der Widerspruch wird visualisiert: Der Gegensatz zwischen dem im Titel enthaltenen »anderen« und dem mitzudenkenen »einen«. Dieses »eine«, etwa die ins Stadion einmarschierenden BDM-Mädchen, oder Hitlerjungen, beim Zug durch Ulm, steht dominant, großflächig, raumfüllend, gerastert – im Hintergrund. Die vorderen Plätze sind dem »anderen« reserviert, denen, die nicht mitmarschieren konnten oder wollten. Die opponierenden Jugendlichen werden als Individuen im Vordergrund farbig porträtiert. Die Botschaft wird konsequent durch Bilder vermittelt. Die Texte sind kurz, erläutern ihre Motivation, anders zu handeln, beschreiben den Lebensabschnitt der Betroffenen.

Publikationen

Sowohl für die Dauerausstellung als auch für die Wanderausstellung stehen Faltblätter, Ausstellungskataloge sowie Plakate für die Werbung zur Verfügung. Alles erhältlich im Sekretariat der Ulmer Volkshochschule und im Alberts Café im selben Haus.



Ernst Bauer

Literatur

  • Wilfried Breyvogel: Piraten, Swings und Junge Garde. Jugendwiderstand im Nationalsozialismus. Bonn 1991
  • Susanne Hirzel: Vom Ja zum Nein. Eine schwäbische Jugend 1933-1945. Tübingen 1998
  • Inge Jens (Hg.): Hans Scholl, Sophie Scholl. Briefe und Aufzeichnungen. Frankfurt 1984
  • Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Köln 1999
  • Martin Klaus: Mädchen im Dritten Reich. Der Bund Deutscher Mädels. Köln 1998
  • puls 22 (Dokumentationsschrift der Jugendbewegung): Die Ulmer »Trabanten«. Hans Scholl zwischen Hitlerjugend und dj.1.11.. ISSN 0342-3328
  • Inge Scholl: Die Weiße Rose. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt 1982
  • Dr. Barbara Schüler: »Im Geiste der Gemordeten...«. Die »Weiße Rose« und ihre Wirkungen in der Nachkriegszeit. Paderborn 2000


Fritz Bauknecht

Zeitzeugen

Auf Anfrage berichten Zeitzeugen, die in der Ausstellung porträtiert sind, von ihren Erlebnissen im Nationalsozialismus als Jugendliche. Dabei ist für heutige Jugendliche (und Erwachsene) nicht nur der Aspekt der Opposition interessant. Interessant ist auch, Einblick zu bekommen in das, was Hitlerjugend und BDM für die Kinder und Jugendlichen bedeutete, was sie dazu veranlasst hat, einzutreten, sich hier zu engagieren oder auch Skepsis zu entwickeln. Kontakt zu Zeitzeugen vermittelt die Ulmer DenkStätte Weiße Rose (weisse.rose@vh-ulm.de).

Filme

»Verräter der Nation« Die Ulmer Schülergruppe und die »Weiße Rose«
Die Berliner Regisseurin Sybille Tiedemann hat über die Ulmer Abiturientengruppe, die u.a. Flugblätter der Weißen Rose verteilt haben, einen Film gemacht, der die Entwicklung, aber auch die Zweifel der Jugendlichen gut nachzeichnet: »Verräter der Nation« Die Ulmer Schülergruppe und die »Weiße Rose«. Dieser Film ist erhältlich über das SWR–Schulfernsehen bzw. über die zuständige Landesbildstelle unter der Mediennummer 4284711. Ebenfalls ausleihen lässt sich der Film bei der Ulmer DenkStätte Weiße Rose (weisse.rose@vh-ulm.de). Gerne ist die Mitarbeiterin der DenkStätte bereit, den Film zu begleiten.

»Die Weiße Rose«
Auch der Film »Die Weiße Rose« von Dr. Michael Verhoeven, der 1982 erschien (und nach wie vor als einer der authentischsten gilt), ist für Schulklassen über die Ulmer DenkStätte Weiße Rose zu entleihen. Der Film zeigt die Entwicklung der Weißen Rose ab Sophie Scholls Studienbeginn im Mai 1942 in München. Gerne ist die Mitarbeiterin der DenkStätte auch hier bereit, den Film zu begleiten.

»Annie Peterkas Geschichte«
Ein weiterer Film, der ein Stück Ulmer Regionalgeschichte im Nationalsozialismus nachzeichnet, ist »Annie Peterkas Geschichte«. Auch dieser Film kann über die DenkStätte entliehen und begleitet werden. Für den Film sind im Sommer 2001 die Theaterwissenschaftlerin Elke Krafka, Karla Nieraad vom Ulmer Stadthaus und Karin Bey, Ulmer DenkStätte Weiße Rose, nach Hamburg gefahren, um die erste Ballettmeisterin am NSDAP-treuen Ulmer Stadttheater zu ihren Erlebnissen im Dritten Reich zu befragen: 1936 kam die 23jährige Annie Peterka ans Ulmer Theater und baute dort das Ballett auf. 1942 wurde sie mitten aus einer Probe heraus mit der Begründung »Tarnung als Arier« verhaftet und zwei Jahre inhaftiert. Aus dem Interview ist ein Film entstanden, der nicht die oft üblichen Rollenverteilung von einerseits Täter, andererseits Opfer zeigt, in die sich Frau Peterka auch selbst nicht einordnet. Der Film hatte seine Premiere im Ulmer Stadthaus am 27. Januar 2002, am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.



Esther Loewi

Links zu Gedenkstätten und Dokumentationszentren